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Fachbeitrag · Wertschöpfung

VDA 6.3 als Analysewerkzeug: Wie ein Prozessaudit die wichtigsten Hebel sichtbar macht

Prozessaudits gelten als Pflichtübung der Automobilindustrie. Als Analyseraster angewendet, zeigen sie in wenigen Tagen, wo in der Wertschöpfungskette Geld verloren geht – und welche Maßnahmen zuerst wirken.

Frank Krauss · · 6 Min. Lesezeit
RasterVDA 6.3:2023
BetrachtetP2 bis P7 plus CSR
Ergebnispriorisierte Hebel

Warum ausgerechnet ein Prozessaudit?

Wer Verbesserungspotenziale sucht, startet oft bei Kennzahlen. Das Problem: Kennzahlen zeigen, dass etwas nicht stimmt, aber selten warum. Der Ausschuss steigt – liegt es am Material, am Werkzeug, an der Einweisung, an der Prüfplanung oder daran, dass eine Änderung nie im Prozess angekommen ist?

Das Prozessaudit nach VDA 6.3 beantwortet genau diese Frage, weil es den kompletten Weg eines Produkts abschreitet: von der Projektplanung über Entwicklung und Beschaffung bis zur Produktion und zur Betreuung des Kunden. Es zwingt dazu, Nachweise zu sehen statt Aussagen zu glauben – und es macht Ergebnisse vergleichbar, zwischen Linien, Standorten und Lieferanten.

Kennzahlen zeigen das Symptom. Der Prozess zeigt die Ursache.

Was die Prozesselemente über die Wertschöpfung verraten

P2
Projektmanagement

Wie belastbar sind Termine, Ressourcen und Eskalationen? Hier zeigt sich früh, ob Anläufe planbar sind oder jedes Projekt zur Rettungsaktion wird.

P3
Planung der Produkt- und Prozessentwicklung

Sind Anforderungen, Machbarkeit und Prüfplanung sauber abgeleitet? Verluste in der Serie entstehen meist hier – Jahre vorher.

P4
Realisierung der Produkt- und Prozessentwicklung

Was ist von der Planung in der realen Anlage angekommen? Der Vergleich deckt Lücken zwischen Konzept und Werkstatt auf.

P5
Lieferantenmanagement

Wie werden Lieferanten ausgewählt, freigegeben und überwacht? Ein Großteil der Qualitätskosten entsteht außerhalb des eigenen Werks.

P6
Prozessanalyse Produktion

Der Kern: Maschinen, Material, Personal, Methode und Messung am laufenden Prozess – dort, wo Ausschuss, Rüstverluste und Stillstände sichtbar werden.

P7
Kundenbetreuung und Zufriedenheit

Wie schnell und wirksam reagiert das Unternehmen auf Reklamationen? Wiederholfehler sind ein zuverlässiger Indikator für schwache Ursachenanalyse.

CSR
Kundenspezifische Anforderungen

Quer über alle Prozesselemente gelten die kundenspezifischen Anforderungen (Customer Specific Requirements). Sie sind Teil der Bewertungsgrundlage und in der Praxis eine der häufigsten Quellen für Feststellungen.

Kundenspezifische Anforderungen gehören dazu

Ein Prozessaudit, das nur den VDA-Fragenkatalog abarbeitet, greift zu kurz. Jeder Automobilhersteller und viele Tier-1-Kunden ergänzen den Standard um eigene Vorgaben – die kundenspezifischen Anforderungen, kurz CSR. Sie sind ausdrücklich Bestandteil der Bewertung und betreffen praktisch jedes Prozesselement.

Typische Beispiele sind eigene Regelwerke für die Lieferantenbewertung, Vorgaben zur Bemusterung und zu Erstmusterprüfberichten, festgelegte Eskalationsstufen und Reaktionszeiten bei Reklamationen, verbindliche Nutzung von Kundenportalen und Datenformaten, Anforderungen an Kennzeichnung, Verpackung und Rückverfolgbarkeit sowie Regelungen zu Sonderfreigaben und Änderungsanzeigen. Je nach Kunde firmieren sie unter Bezeichnungen wie Formel Q oder vergleichbaren Vorgabendokumenten.

In der Analyse prüfen wir deshalb immer zwei Dinge: Sind die CSR Ihrer Kunden überhaupt vollständig bekannt und aktuell? Und sind sie in den eigenen Prozessen und Dokumenten verankert, statt nur im Vertrag zu stehen? Gerade bei mehreren Kunden mit unterschiedlichen Vorgaben entsteht hier schnell eine Lücke, die im nächsten Kundenaudit teuer wird.

In fünf Schritten von der Analyse zum Hebel

1Umfang und Anforderungen festlegen

Welche Produktfamilie, welche Linie, welcher Standort? Dazu gehört von Anfang an die Frage, welche Kunden betroffen sind und welche kundenspezifischen Anforderungen gelten – sie bestimmen die Messlatte mit.

2Prozess entlangwandern

Vom Auftragseingang bis zum Versand, mit den Fragen der Prozesselemente P2 bis P7. Gesprochen wird mit den Menschen am Prozess, nicht nur mit der Leitung.

3Bewerten und clustern

Die Bewertung nach VDA 6.3 macht Schwächen vergleichbar. Anschließend werden die Feststellungen zu Themen gebündelt – etwa fehlende Prüfplanung oder unklare Schnittstellen.

4Hebel priorisieren

Jedes Thema wird mit Wirkung auf Qualitätskosten, Durchlaufzeit und Liefertreue bewertet und gegen den Aufwand gestellt. Daraus entsteht die Reihenfolge.

5Umsetzen und nachmessen

Maßnahmen mit Verantwortlichen und Terminen, danach dieselben Fragen erneut. So wird Wirkung belegbar statt behauptet.

Was wir dabei typischerweise finden

Bestimmte Muster wiederholen sich, unabhängig von Branche und Größe: Prüfplanung, die nie an die reale Anlage angepasst wurde. Änderungen, die im Dokument stehen, aber nicht im Prozess. Lieferanten, die nach Preis ausgewählt und nie wieder bewertet wurden. Reklamationen, die mit „Mitarbeiter sensibilisiert“ geschlossen werden und ein halbes Jahr später erneut auftreten. Und Schnittstellen zwischen Vertrieb, Technik und Fertigung, an denen Informationen verloren gehen.

Keines dieser Themen ist spektakulär. Zusammengenommen erklären sie in vielen Betrieben den größten Teil der Qualitätskosten.

Fazit

VDA 6.3 ist weit mehr als eine Kundenforderung. Als Analyseraster liefert es in kurzer Zeit ein vollständiges, belastbares Bild der Wertschöpfungskette – und damit die Grundlage, um die wenigen Maßnahmen zu bestimmen, die wirklich etwas bewegen. Genau dort setzt unsere Delta-Analyse an.

Frank Krauss
Frank KraussGeschäftsführer der deltaget GmbH, Diplom-Wirtschaftsingenieur (FH), VDA 6.3-Auditor.
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Häufige Fragen

Ist das ein Audit oder eine Beratung?
In diesem Format ist VDA 6.3 ein Analyseraster, kein Zertifizierungsaudit. Ziel ist nicht die Bewertung für einen Kunden, sondern die Ableitung von Verbesserungsmaßnahmen. Zertifizierungsaudits werden ausschließlich von akkreditierten Stellen durchgeführt.
Funktioniert das auch außerhalb der Automobilindustrie?
Ja. Die Fragen sind auf produzierende Prozesse zugeschnitten, aber die Logik – Planung, Realisierung, Lieferanten, Produktion, Kunde – trägt auch im Maschinenbau, in der Oberflächentechnik oder bei technischen Dienstleistern.
Werden kundenspezifische Anforderungen berücksichtigt?
Ja, immer. Die CSR der betroffenen Kunden sind Teil der Bewertungsgrundlage. Wir klären vorab, welche Vorgabendokumente in welcher Fassung gelten, und prüfen, ob sie in den Prozessen verankert sind.
Wie lange dauert eine solche Analyse?
Das hängt von Umfang und Standortzahl ab. Ein abgegrenzter Ausschnitt ist in wenigen Tagen vor Ort machbar, inklusive Auswertung und Maßnahmenvorschlag.

Wo verliert Ihre Wertschöpfung Geld?

Wir analysieren einen klar abgegrenzten Ausschnitt Ihrer Prozesse und legen Ihnen die priorisierten Hebel auf den Tisch.

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